Heutige Einsatzgebiete des Wasserwidders
Seine ehemals große Bedeutung als Wasserversorger für ganze Dörfer und Gemeinden hat der Wasserwidder im Zuge der zentralen Wasserversorgung durch Wasserwerke natürlich verloren. Diese Entwicklung wurde auch durch die Vergiftung und Verunreinigung von Quellen durch landwirtschaftliche Pflanzenschutzmittel und Düngemittel eingeleitet, damit konnten die oberirdischen Quellen nicht mehr für die Trinkwasserversorgung eingesetzt werden und das Trinkwasser musste aus Grundwasser gewonnen werden, damit man es zentral reinigen konnte. Hier war aber der Wasserwidder nicht mehr einsetzbar, da beim Grundwasser kein natürliches Gefälle vorhanden ist, was, wie bereits erläutert, für seinen Betrieb nötig ist. Somit geriet der Wasserwidder mit der Zeit zumindest in Deutschland in Vergessenheit.
Dennoch ist er in Gebieten, die die Voraussetzungen für sein Betreiben erfüllen, heutzutage nicht ausgestorben, sondern wird wieder vermehrt eingesetzt. Hauptargument für seinen Einsatz ist vor allem die Tatsache, dass außer dem einmaligen Anschaffungspreis und dem Einbau nahezu keine Wartungsarbeiten und Kosten anfallen. Aber auch die Umweltverträglichkeit spricht für den Wasserwidder, einzige Umweltbelastung ist die Lärmerzeugung durch die Ventile, aber Lärm entsteht auch bei elektrischen und natürlich erst recht bei Diesel betriebenen Pumpen. Der Widder erzeugt auch wesentlich höhere Drücke als normale Pumpen. So schaffen große Widderexemplare Drücke bis zu 30 bar, damit kann man das Wasser 300 Meter senkrecht in die Höhe pumpen. Vergleichbare herkömmliche Pumpen mit ähnlichen Leistungsdaten sind extrem teuer und verbrauchen entsprechend viel Energie.
Konkrete Einsatzgebiete des Widders sind heutzutage v.a. in der Landwirtschaft zu finden, durch ihn werden Wasserversorgungsaufgaben für Feld und Vieh erfüllt. Da die Wassermenge, die durch den Widder gefördert wird, im Vergleich zu herkömmlichen Pumpen relativ gering ist, verwendet man hier auch noch Hochbehälter, in denen das vom Widder geförderte Wasser zwischengespeichert wird und dann bei Bedarf in großer Menge abrufbar ist.
Ein weiteres wichtiges Betätigungsfeld für den Widder erschließt sich in Entwicklungsländern. Durch die einfache Technik kann er nach einer kurzen Einführung selbständig von den Einheimischen gewartet und betrieben werden, der Widder benötigt keine zusätzliche Energiequelle, ist also unabhängig von der Stromversorgung, und läuft meist über Jahrzehnte hinweg zuverlässig.
In Deutschland und Österreich wird der Widder heutzutage noch in Gebirgsregionen zur Wasserversorgung von Hütten eingesetzt, aber auch in manchen Wochenendhäusern, die nicht an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen sind. Der Widder wird heutzutage aber auch ganz gezielt wieder von Denkmalpflegern gezeigt. Dazu werden meist historische Widder reaktiviert, instandgesetzt und einem breiten öffentlichen Publikum zur Besichtigung angeboten, damit diese Erfindung nicht in Vergessenheit gerät. Erst vor kurzem wurde von so einem historischen Widder, der besichtigt werden kann, im "Boten", in der Ausgabe vom 2./3. Dezember 2000 berichtet. Der Artikel befindet sich im Downloadbereich.
Zum Teil werden diese Widder auch eingesetzt, um Wasserspiele kostengünstig mit Wasser zu versorgen.
Sie werden manchmal auch parallel geschaltet, wenn ein einziger Widder nicht die gewünschte Fördermenge erbringt oder wenn die Quellschüttung im Laufe des Jahres stark schwankt. Denn wenn der Wasservorrat zu gering ist, um einen großen Widder zu betreiben, dann reicht er unter Umständen immer noch aus, um mehrere kleine Wasserwidder zu betreiben, denn bei parallel geschalteten Stoßhebern kann man jederzeit einen abschalten, damit ist es möglich sich einer schwankenden Quellschüttung anzupassen. Bei großem Wasservorrat läßt man alle Widder laufen, sobald weniger Wasser zur Verfügung steht, schaltet man die entsprechende Anzahl an Widdern ab, damit die restlichen ungestört weiterlaufen können. Wenn man zwei oder mehr Widder in einer Batterie betreiben will, benötigt man für jeden eine eigene Triebleitung und einen gemeinsamen Wasservorrat. Die Steigleitung kann aber gekoppelt sein, sodass alle Widder in eine gemeinsame Steigleitung pumpen.

Neben Parallelschaltungen sind selbstverständlich auch Reihen-schaltungen oder Hintereinander-schaltungen von Stoßhebern möglich. Sie werden eingesetzt, um sehr hohe Förderhöhen zu überwinden. Ein großer 1.Widder überwindet einen Teil der Förderhöhe, ein 2. kleinerer nutzt das gelieferte Wasser um die restlichen Höhenmeter zurückzulegen.

 


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