Die Geschichte des hydraulischen Wasserwidders

1. Erfindung
2. Entwicklung USA
3. Entwicklung Europa

 

1. Erfindung des Wasserwidders in Frankreich
Die Geschichte des hydraulischen Wasserwidders begann 1772, als John Whitehurst in England einen ersten hydraulischen Widder konzipierte, der allerdings noch nicht von selber funktionierte. Der Franzose Joseph Michael Montgolfier entwickelte im Jahre 1796 eine ausgeklügelte Ventilsteuerung, die es ermöglichte, dass der Widder von selbst lief. Er entdeckte die Stosskraft des Wassers, als er am unteren Ende eines Rohres schnell einen Hahn schloss (vgl: schnelles Schließen eines Gartenschlauches hat Zuckung des Gartenschlauches zur Folge). Diese beträchtliche Stoßenergie, die bei jedem Schließen des Hahnes wieder auftrat, nutzte schließlich Montgolfier, als er nach einigen Fehlversuchen endlich die grundlegenden Voraussetzungen für die Konstruktion und den Bau eines hydraulischen Widders entdeckt hatte.

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2. Die Entwicklung des Wasserwidders in den USA:
In den folgenden Jahrzehnten wurde der hydraulische Widder immer weiter verbessert, 1809 bekamen J. Cerneau and S.S. Hallet in New York das erste amerikanische Patent zugesprochen. Es dauerte aber bis ca. 1832, dass sich die Kunde über diese einfache, aber effektive Erfindung in den USA herumsprach. Bis 1840 wurden die meisten Widder von Europa in die USA importiert, bis im Jahre 1843 H.H. Strawbridge aus Louisiana den ersten komplett in den USA hergestellten Widder präsentieren konnte. Sein erster Widder war aus Holz hergestellt und explodierte bei den ersten Vorführungen, kurz darauf folgte dann ein Widder aus Gußeisen.
Das Interesse an ihm wurde in Amerika durch Artikel in großen Farmerzeitungen, wie z.B. im "Farmer's Cabinet" und "American Farmer", noch weiter gesteigert. Ein detailliertes Buch über die Erfindung, das 1842 veröffentlicht wurde, war 1870 bereits in seiner 16. Auflage! In den Jahren von 1840 bis 1850 kam es wahrlich zu einer Inflation an Patenten für das Gerät, die allerdings ab 1858 nicht mehr geschützt wurden, bis 1870, als innerhalb von drei Jahren nochmal vier Patente zugelassen wurden. Die Popularität begründet sich auf der Tatsache, dass der Widder relativ billig war, es wird von Preisen zwischen 60$ und 12$ für amerikanische Widder berichtet, wobei sich die durchschnittlichen Instandhaltungskosten auf ca. 0,25$ bis 1$ jährlich beliefen. Neben der privaten Nutzung von kleinen Widdern für Privatleute und Farmer wurden sehr große Widderexemplare auch eingesetzt, um Ortschaften mit Trinkwasser zu versorgen, so wird von einem Widder berichtet, der die Ortschaft Naples im Bundesstaat New York pro Tag mit 80 m³ Trinkwasser versorgte. Ein sehr bekannter Widder war die sog. Rife Hydraulic Engine, die bis zu 200 m³ Wasser pro Tag über eine vertikale Höhe von bis zu 60 Meter pumpen konnte.
Weitere Einsatzgebiete lagen in der Versorgung der Eisenbahnstationen, die das Wasser für die Dampfloks benötigten, sowie in der Versorgung von Industieanlagen. Das Ende der Wasserwidder Ära wurde mit der Erfindung der elektrischen Pumpe eingeläutet, die den hydraulischen Widder mehr und mehr von dessen angestammten Aufgabenbereichen verdrängte.

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3. Die Entwicklung des Wasserwidders in Europa
Ähnlich wie in Amerika entwickelte sich der Widder auch in Europa. Hier wurde er ebenfalls in den Jahrzehnten nach seiner Erfindung immer wieder weiterentwickelt, das ist durch zahlreiche Patentschriften dokumentiert.
Die Preise für die Widder waren allerdings im Gegensatz zu denen in Amerika wesentlich höher. Es wird berichtet, dass im 19. Jahrhundert ein hydraulischer Widder so teuer wie zwei schwere Ochsen war, also verhältnismäßig teuer, wenn man bedenkt, dass auch auf großen Bauernhöfen relativ wenig Vieh gehalten wurde. Dennoch wurden die Widder zu Tausenden verkauft und eingebaut, da sie einen enormen Komfort für seinen Besitzer darstellten - das Wasser musste nicht mehr mühsam auf dem Rücken herbeigeschleppt werden.
In der Praxis zeigte sich aber trotz aller Verbesserungen, dass der Bau von Widdern mit vielen Unbekannten behaftet war. Im 20. Jahrhundert erst wurde das Funktionsprinzip mit Hilfe von systematischen Versuchen richtig erforscht und daraus leitete man empirische Gesetzmäßigkeiten ab, die noch heute Gültigkeit haben. Daraus entstanden nun unter anderem die SANO Widder (SANO = eingetragenes Warenzeichen und leitet sich vom lateinischen Begriff "sanus" - gesund - ab). Bei dem in der Schule ausgestellten Widder handelt es sich ebenfalls um einen SANO Widder. Die jüngste Erfindung im Bereich der hydraulischen Stoßheber ist der sogenannte Weinmansche Bachwidder.
In Europa, vor allem aber in Deutschland, wurden die Widder mit der Einführung der zentralen Wasserversorgung verdrängt.

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